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Cooler als jedes Handy: Die Kamera

Andreas Kreuzer im Porträt

Cooler als jedes Handy: Die Kamera

Andreas Kreuzer ist leidenschaftlicher Fotograf und VHS-Trainer. Das Unterrichten ist für ihn der »totale Ausgleich«. »Als Orthopädietechniker bin ich den ganzen Tag im Krankenhaus bei den Patienten. Wäre ich Lehrer, dann würde ich am Abend vielleicht keine Kurse geben wollen, denn das wäre ja wieder das Gleiche.«
In seinen Kursen möchte er vor allem eines: Sein Wissen und seine Erfahrung zur Verfügung stellen. »Ich freue mich einfach, wenn ich helfen kann!«, sagt der VHS-Trainer.

Von den ersten Schritten bis zum Profikurs

Soeben hat ein weiterer Kurs über die »Grundlagen der digitalen Spiegelreflexfotografie« begonnen. Im Saal Nummer 4 der VHS Klagenfurt haben sich neun Interessierte eingefunden – manche von ihnen kennen ihre Kamera bereits länger und möchten endlich wissen, was diese kann, andere geben zu, bis jetzt tatsächlich mit dem Handy fotografiert zu haben.«
Vorne projiziert der Beamer die erste Folie an die Wand. Darauf zu sehen: Ein Handy hinter einem roten Balken – umrahmt mit den Worten: Fotografiert mit echten Kameras – sorry Smartphone! »Ich möchte, dass die Leute aus meinem Kurs rausgehen und wissen, dass sie gewisse Fotos nie mit dem Handy zusammenbringen werden«, verrät der VHS-Trainer im Interview.
Andreas Kreuzer ist ein bescheidener Mensch. Kein strenger Lehrer, sondern jemand, der seine Leidenschaft teilen möchte. »Es gibt keine Kamera, die Andreas nicht kennt«, staunt Benjamin Hell, Leiter der VHS Klagenfurt, der auch zu erzählen weiß, dass sich eine ehemalige Teilnehmerin als professionelle Fotografin selbständig machte. »Sie hat damals den Grundkurs besucht, Feuer gefangen und nicht mehr mit dem Fotografieren aufgehört.«

An die VHS kam ich ursprünglich als Experte für MS-DOS 6.22 und Windows 3.1

Seit 23 Jahren hält Andreas Kreuzer nun Kurse an der VHS Klagenfurt. Begonnen hat er jedoch nicht als Trainer für Fotografie, sondern als Experte für MS-DOS 6.22 und Windows 3.1. Und heute? Der Trainer – dessen Kursrepertoire von den ersten Grundlagen der digitalen Spiegelreflexfotografie über bewegte Fotografie und Makrofotografie bis hin zu der Bedienung des Bearbeitungsprogramms Adobe Photoshop Lightroom reicht – möchte keinem seiner Kurse den Vorzug geben. Auf die Frage, ob es einen Bereich gebe, der ihm besonders am Herzen liege, meint er: »Mir macht alles Spaß. Hätte ich an einem bestimmten Kurs keine Freude, würde ich ihn gar nicht anbieten.«

Die richtige Kamera

Vorausgesetzt es gibt noch keine, geht es erst einmal um die Wahl der richtigen Kamera. »Ich bin ein totaler Fan der Systemkamera«, verrät Andreas Kreuzer. »Weil sie einfach kleiner ist und von der Qualität mindestens ebenbürtig, wenn nicht besser.« Letztendlich aber liege die Wahl bei den Kursteilnehmer/ -innen – seine Aufgabe sei lediglich zu informieren. Aus diesem Grund bietet der VHS Trainer seit neuestem einen speziellen Informationsabend an, der sich nur mit der Frage nach der geeigneten Kamera beschäftigt. »Damit die Leute dann im Kurs nicht bereuen, dass ihre neue Kamera nicht kann, was die des Nachbarn kann. Wie etwa, dass man schon in der Vorschau alles genau so sieht, wie es dann auf dem Bild aussehen wird.«
Auch bei der Wahl des passenden Objektivs hilft der Fotograf aus Leidenschaft gerne. »Wenn jemand eine Kamera zu Hause hat, macht es nur Sinn, in eine neue zu investieren, wenn das Modell bereits veraltet ist. Wenn ich heute mit hohen ISO-Werten fotografieren muss, dann werde ich mit einem zehn Jahre alten Modell an die Grenzen stoßen. Darauf weise ich meine Kursteilnehmer hin. Wenn man aber die Vorgängergeneration hat, die gerade einmal zwei Jahre alt ist, wäre es übertrieben, sich gleich das neueste Modell kaufen. In diesem Fall ist es gescheiter, man investiert in ein neues Objektiv.«

»4 Finger unten« oder: Aller Anfang ist schwer

Zurück in Saal 4. Andreas Kreuzer warnt seine Kursteilnehmer/ -innen: Der erste Abend wird anstrengend. »Aber nachher wird es leichter«, verspricht er lachend.
Tag eins also. Blende, Verschlusszeit, ISO-Wert. Wie hängen sie zusammen? Woran werde ich erkennen, welche Einstellungen ich vornehmen muss und wann werde ich mich endlich daran gewöhnen, dass eine kleine Blende eine höhere Zahl hat als eine große? Wann werde ich mir den ISO-Wert ausrechnen können, ohne dass die im Sonnenlicht schnurrende Katze bereits dreimal aufgewacht und von der Mauer gesprungen ist?
Schon seltsam. Da hat man eine Spiegelreflex- oder auch Systemkamera und weiß eigentlich gar nicht, was die alles kann.
»Fotografieren ist wie Autofahren«, beruhigt Andreas Kreuzer. »In der ersten Fahrstunde ist man auch total überfordert und kann sich nicht vorstellen, wie das gehen soll, dass man neben dem Fahren auch noch am Radio dreht.«
Die erste Regel, die man bei Andreas Kreuzer lernt: »4 Finger unten!« Sprich: Die linke Hand stützt das Objektiv, der Ellbogen liegt am Körper an, das Kameragehäuse berührt die Stirn. Soll angeblich Wunder wirken, wenn es darum geht, verwackelte Bilder zu vermeiden. Danach geht es um Brennweiten, Blendengrößen, Belichtungszeiten, ISO-Werte, sogar um die Berechnung eines Kehrwertes (gar nicht so schwer, wie es klingt).
Das Schöne an einem VHS-Kurs: Man kann sogar zehnmal nachfragen, der Trainer bleibt noch immer geduldig und rechnet zur Veranschaulichung sogar auf dem Flipchart vor. Um den Unterschied verschiedener Einstellungen zu demonstrieren, schließt Andreas Kreuzer seine Kamera an den Laptop und lässt die Anwesenden live miterleben, wann der Hintergrund scharf wird, wann er verschwimmt, was Bildrauschen ist und wie man es vermeidet.
Bereits am Ende des ersten Abends macht es dann »klick« (oder auch »klick ... klack«, wenn die Belichtungszeit eine etwas längere ist). Die erste Flasche ist fotografiert. Bei künstlichem Licht, ohne Blitz, vorne schön scharf, der Hintergrund bewusst verschwommen (denn wer braucht schon Saal 4 auf dem Foto?).

Wie weit komme ich als Laie?

Wer auch immer mit der Fotografie startet, dem sollte eines bewusst sein: Wenn man ein atemberaubendes Foto sieht – ob in irgendeinem Magazin, einem Journal, auf einem Poster oder auch im Fernsehen – dann ist es mit hundertprozentiger Wahrscheinlichkeit nachbearbeitet. Sprich also: wir verlassen den Wahrscheinlichkeitsbereich und befinden uns in der Welt der modernen Blender. Diese arbeiten zwar auch mit der Blende, verwenden jedoch zusätzlich ein Bearbeitungsprogramm wie etwa Photoshop Lightroom. Vor allem aber muss sich ein Fotograf Zeit nehmen.
»Ich kann nicht erwarten, dass ich in den Reisebus steige, der mich dann irgendwohin bringt und ich muss in zehn Minuten das perfekte Bild schießen«, sagt Andreas Kreuzer. »Allein das Licht verändert sich ja ständig. Zu welchem Zeitpunkt bin ich bei welchem Motiv? Von wo kommt die Sonne, passt das zufällig genau? Im Urlaub kann ich es mir nicht immer aussuchen. Die meisten Fotografen fahren unzählige Male zu einem Platz. Einfach nur hinfahren und fotografieren funktioniert einfach nicht.«

Ein guter Tipp: Planen Sie ein bisschen mehr Zeit ein und schicken Sie eventuell ungeduldige Begleiter/ -innen auf einen Kaffee! Und für den Fall, dass die anderen dennoch drängen, Sie aber unbedingt ein Bild machen wollen und völlig überfordert sind (Hilfe, wie war das noch einmal mit der richtigen Blende?), gibt es, wie Andreas Kreuzer beruhigt, auch eine  – wenn auch nicht optimale – Lösung: »Motivprogramme sind ja nichts Schlechtes. In meinem Kurs verwenden wir sie nicht, da geht es ja darum, ohne ein solches auszukommen, aber wenn ich in einer Situation total überfordert bin, dann habe ich mit einem Motivprogramm wenigstens ein Bild. Kein perfektes, aber ich habe ein Bild.«

Lernen, Üben, Fotografieren, Nachbearbeiten

Was man bei Andreas Kreuzer unter anderem lernt: Fotografieren. Bei Tag, bei Nacht, zur blauen Stunde. Bewegung und Stillstand dokumentieren, Szenen einfangen, Charaktere herauskitzeln.
Dazu gehört unter anderem:

  • Das Arbeit mit der Blende
  • Die Wahl des richtigen ISO-Wertes
  • Sinn und Einsatz eines Stativs
  • Umgang mit dem Autofokus
  • Das Wissen um Belichtungszeiten
  • Der Weißabgleich
  • Das Arbeiten mit dem Blitz

Damit die Theorie nicht Theorie bleibt, gibt der Kursleiter sogar Hausübungen auf. Für alle, die dringende Fragen zu einem misslungenen Bild haben, schreibt Andreas Kreuzer sogar seine E-Mailadresse auf das Flipchart: »Schicken Sie mir Ihr Bild, dann schaue ich nach, was da nicht passt!«
Üben unter Anleitung kann man auch mit dem VHS-Trainer gemeinsam. Zwei Ausflüge mit der Kamera sind in den Kurs integriert – einmal zur schönen blauen Stunde (jener Zeit kurz nach Sonnenuntergang, wenn der Himmel noch dunkelblau ist) und einmal am Vormittag.
Dass der Tagesausflug erst viel später stattfindet als die Nachtfotografie hat ebenfalls einen Grund. »Ich möchte, dass meine Kursteilnehmer schnell einen Erfolg sehen«, verrät Andreas Kreuzer. »Die Nachtfotografie ist viel einfacher. Da machen wir alles manuell und die Fotos sehen immer toll aus. Am Tag ist viel mehr zu beachten.«

Für alle, die das »Autofahren« beherrschen und den »Tacho« (Belichtungszeit) unter Kontrolle haben, bietet der VHS Trainer Kurse für bewegte Fotografie oder den Umgang mit Photoshop Lightroom (»DEM Bearbeitungsprogramm schlechthin!«) an.
Dann sind wir schon recht nah am perfekten Bild. Vorausgesetzt, man hat sich beim Fotografieren Zeit genommen!

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