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Den eigenen Wert erkennen und schätzen

Der 8. März ist Weltfrauentag. Auch an den Kärntner Volkshochschulen geht dieser Tag nicht spurlos vorüber. Beate Gfrerer, stellvertretende Geschäftsführung und pädagogische Leitung, und Katharina Zimmerberger, Projektkoordination „Pflichtschulabschluss nachholen“, im Gespräch über Beruf, Familie und den Selbstwert der Frau.

Den eigenen Wert erkennen und schätzen

Beate Gfrerer mit Katharina, Lilia und Samuel Zimmerberger

Wie sinnvoll ist der Weltfrauentag heute noch?

Gfrerer: Absolut sinnvoll! Frauen haben in unserer Gesellschaft vieles noch nicht erreicht. Da gibt es einige Beispiele wie etwa das Angleichen von Gehältern, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf und damit einhergehend die Verfügbarkeit von Kinderbetreuungsplätzen, Pflege von Angehörigen ist weiblich und vieles mehr. Nicht zu reden von Frauen, die in anderen Kulturen keinen Stellenwert haben. Außerdem sollte an diesem Tag an die großartigen Leistungen von unzähligen Frauen gedacht werden.

Zimmerberger: An diesem Tag sollte über die Stellung der Frauen im Allgemeinen nachgedacht und die eigene Situation reflektiert werden. Es geht um Chancengleichheit für Frauen, aber auch um Gleichheit für alle Menschen.

 

Wieviel Wert wird allgemein auf diesen Tag gelegt?

Gfrerer: Ich habe das Gefühl, dass bei der Generation von Mädchen, die jetzt nachkommt, dieser Tag nicht mehr so eine große Rolle spielt wie bei uns,  weil sie glauben, dass Frauen – zumindest bei uns – schon alles erreicht haben. Hier ist viel Überzeugungsarbeit notwendig. Daher bin ich froh, dass von verschiedenen Organisationen und politischen Parteien auf den Weltfrauentag noch großer Wert gelegt wird. Man merkt das vor allem an den unzähligen Aktionen, die an diesem Tag stattfinden und an denen sich viele Frauen beteiligen.

Zimmerberger: Der Weltfrauentag ist nicht so wie der Muttertag, an dem man Geschenke bekommt. Medial wird es aber immer gut aufgebaut, was ich als sehr wichtig empfinde. Interessant ist vor allem, dass die Situation von Frauen nicht nur in anderen Ländern schwierig ist. Auch Österreich befindet sich in keiner Idealsituation.

 

Wie seht ihr die Arbeitssituation der Frauen in Kärnten?

Gfrerer: Für  Frauen ist in Kärnten noch viel zu tun, das hat der Frauenmonitor der AK deutlich gezeigt. Betroffen von Arbeitslosigkeit sind vor allem ältere Frauen bzw. Frauen mit Kindern, denen die Betreuungsplätze fehlen. Auch das Thema „Working poor“ ist zum überwiegenden Teil weiblich besetzt. Ich habe aber die Hoffnung, dass die Situation besser wird. Immerhin ist die Quote der universitären Abschlüsse von Frauen enorm gestiegen.

Zimmerberger: Natürlich wird in manchen Unternehmen die Frauenquote bereits erfüllt, doch Führungspositionen werden meistens noch immer mit Männern besetzt.

Gfrerer: Das Problem liegt auch darin, dass sich viele Frauen keine Führungsposition zutrauen. Sie haben zwar den Wunsch nach Karriere, setzen dann aber oft andere Prioritäten.

Zimmerberger: Ich glaube, das liegt auch daran, dass sich viele Frauen in einem Zwiespalt zwischen Familie und Beruf befinden. Man fragt sich dann, ob man genug Zeit für die Kinder hat, wenn man voll berufstätig ist.

 

Wie vereint ihr Familie und Beruf?

Gfrerer: Mein Sohn ist mittlerweile erwachsen, aber als er klein war, hat mir meine Mutter viel geholfen. Dafür bin ich ihr sehr dankbar, denn ich konnte dadurch auch immer Vollzeit arbeiten und im Betrieb eine Führungsposition übernehmen. Ich kann mich noch genau an die Volksschulzeit meines Sohnes erinnern. Alle Mütter haben selbst eine Torte oder einen Kuchen gebacken. Ich bin oft gestresst mit dem Handy am Ohr und mit einem gekauften oder Omas Kuchen aufgetaucht. Zuerst habe ich mir viele Gedanken darüber gemacht, aber jetzt sehe ich, dass mein Sohn von seiner berufstätigen Mutter profitiert hat. Er sieht es heute als selbstverständlich an, dass Frauen arbeiten. Bei besonderen Anlässen im Leben meines Kindes war ich immer dabei, auch heute noch. Das war und ist mir wichtig.

Zimmerberger: Ich habe unlängst meine Kinder dazu befragt, wie sie das sehen. Meine Tochter hat daraufhin gesagt, dass sie das gleiche arbeiten will wie ich. Mir ist wichtig, dass meine Kinder sehen, wo und mit wem ich arbeite. Wir reden auch zuhause darüber, ich frage sie, wie es in der Schule war und sie mich, wie es in der Arbeit war. Ich glaube, das hat viel mit einer Vorbildwirkung zu tun und wie man Arbeit den Kindern vermittelt. Es ist natürlich auch wichtig, dass man als Mutter im Unternehmen respektiert wird. Für mich bist du, Beate, als unsere Chefin ein Vorbild, weil du es immer geschafft hast, Familie und Beruf zu vereinen und daher auch Verständnis für uns arbeitende Mütter hast.

 

Welche Möglichkeiten haben Frauen in der VHS?

Gfrerer: Frauenförderung ist für mich in der VHS ein elementarer Aspekt. Muss es ja auch sein, denn von 52 hauptberuflichen MitarbeiterInnen sind 47 weiblich. Das Durchschnittsalter ist 35. Ich freue mich über Nachwuchs, mir ist jedoch wichtig, dass während der Karenz der Anschluss an den Betrieb nicht verloren geht, da die Entwicklung gerade im Bildungsbereich rasant ist. Deswegen werden auch immer alle Mitarbeiterinnen, ob in Karenz, Teilzeit oder Vollzeit, zu Weiterbildungen eingeladen. Natürlich ist es für einen Betrieb immer eine große Herausforderung, wenn Mütter, die zurückkommen, Teilzeit arbeiten und das am liebsten von 8-12 Uhr. Teilzeit heißt aber in der Pension auch Teilentgelt. Ich würde mich freuen, wenn es unter unseren Müttern mehr Vollzeitarbeitskräfte wie dich, Katharina, geben würde. Es ist sicher nicht immer einfach, aber wir versuchen, den VHS-MitarbeiterInnen mit individuellen Arbeitszeit- und Teleworking-Modellen entgegenzukommen.

Zimmerberger: Die flexiblen Arbeitszeiten sind für mich sehr wichtig, denn es gibt immer wieder Situationen, in denen die Kinder einen besonders brauchen, auch wenn sie schon größer sind. Es gibt auch die Möglichkeit die Familie in die Arbeit miteinzubeziehen, wie z.B. beim Weltalphatag. Oder sie können auch manchmal bei mir im Büro bleiben, wenn ich keine andere Möglichkeit habe.

Für mich ist es extrem wichtig, eine Work-Life-Balance zu finden. Das heißt nicht nur Beruf und Familienleben unter einen Hut zu bekommen, sondern auch mich selbst nicht zu vergessen. Besonders schätze ich an meinem Arbeitgeber VHS, dass wir auch kostenlos Coachings oder eine Supervision in Anspruch nehmen können. Die Betriebliche Gesundheitsförderung ist ebenfalls vorbildhaft und hilft uns, das Gleichgewicht zwischen Beruf und Freizeit herzustellen.

 

Welche Empfehlungen könnt ihr den Frauen in der Arbeitswelt geben?

Gfrerer: Das Thema Bildung und Weiterbildung ist natürlich sehr wichtig. Je höher der Bildungsgrad, desto besser die Chance, eine qualifizierte Arbeit zu bekommen. Auch selbstbewusst an neue Jobs oder Karrieremöglichkeiten heranzugehen, ist gerade bei Frauen nicht selbstverständlich. Sich der eigenen Kompetenzen und Fähigkeiten bewusst zu sein und nicht immer nur defizitorientiert zu denken. Neben der Arbeit soll frau auch nicht vergessen, dass es ein Privatleben gibt. Und wichtig ist es auch, einmal nur an sich selbst zu denken und Dinge zu tun, die Kraft und Energie bringen.

Zimmerberger: Da stimme ich zu. Man muss ein Gleichgewicht zwischen Beruf, Familie und Privatem finden. Außerdem sollte man dort arbeiten, wo man sich wohlfühlt und nicht zwanghaft eine Position anstreben. Eine positive, wechselseitige Beeinflussung der Bereiche ist wichtig.

Gfrerer: Auch die Vernetzung unter Frauen sollte einen großen Stellenwert haben. Ich wünsche mir generell mehr Solidarität unter den Frauen!

Zimmerberger: Da stimme ich dir zu! Wir müssen zusammen halten!

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