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Die Feldenkrais®-Methode

Feldenkrais® sei wie Erdbeereis, heißt es. Um die Feldenkrais®-Methode zu verstehen, muss man sie kosten. Und schon stehe ich als Autorin dieses Artikels vor einem Problem: Wie etwas beschreiben, dass sich nicht in Worte fassen lässt?

Die Feldenkrais®-Methode

Feldenkrais®-Methode

Eine Bewegungslehre, die es uns ermöglicht, durch bewusste Wahrnehmung die Bewegungsqualität zu verbessern, Verspannungen zu lösen und Wohlb

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von Margarita Kinstner

Vom Kleinen ins Große
Erste Stunde im Kursraum 1 in der Klagenfurter Bahnhofstraße. Ich liege auf einer Matte und spüre, wie mein Körper den Boden berührt. Linke Seite, rechte Seite. Ich drehe meinen rechten Fuß ein Stück nach außen. Spüre nach, was mit meiner rechten Wade geschieht …
Dass Feldenkrais® gern und oft in der Rehabilitation eingesetzt wird, war mir bekannt. Aber in der Volkshochschule? Wie funktioniert Feldenkrais® in der Vorsorge? Ist das etwas für mich?
Viele der kleinen Bewegungen, die angeleitet werden, kenne ich. Ich mache sie ganz unbewusst, wenn ich abends im Bett liege und verspannt bin. Wenn mein Körper nach Bewegung schreit und ich ihm wieder einmal seit Tagen keine zugestehe. Ich bin kein Fitnesscenter-Freak, ich spaziere lieber als ich laufe und meine Muskeln haben selten einen Kater.
„Wohin schauen eure Zehen?“, fragt Barbara Knappinger, als wir mit geschlossenen Augen auf dem Rücken liegen. Ja, wohin eigentlich? Je mehr ich versuche, zu spüren, desto weniger weiß ich. Kann es sein, dass meine rechte Fußspitze weiter nach außen zeigt als die linke? Ich hebe den Kopf und blinzle. Noch weiß ich nicht, dass es nicht um prüfbare Wahrheiten geht.

Dort hinschauen, wo es nicht weh tut
Stellen Sie sich vor, Sie hätten Schmerzen in Ihrem linken Knie und müssten nach Hause humpeln. Auf welchen Körperteil konzentrieren Sie sich? Und was antworten Sie, wenn Sie nach Ihrem rechten Knie gefragt werden? Spüren Sie, welche Bewegungen Sie beim Gehen mit Ihrem rechten Knie machen? Und wie sieht es mit Ihren Schultern aus? Wie bewegen sich Ihre Schultern beim Gehen? Und hoppla: Atmen Sie noch oder halten Sie schon die Luft an?
Feldenkrais® setzt nicht dort an, wo der Schmerz sitzt. Auch geht es nicht darum, Fehlhaltungen zu kommentieren. „Du kannst jemanden nicht einfach nur sagen, dass er ein Hohlkreuz macht“, erklärt Barbara Knappinger. „Das würde dazu führen, dass die Person eine groteske Gegenhaltung einnimmt, um das Hohlkreuz, das sie selbst vielleicht gar nicht wahrnimmt, auszugleichen.“
Unser Spiegel ist der Boden, auf dem wir liegen. Auf dem wir gehen. Es ist unser Körper, der zu uns spricht, der uns Fehlhaltungen zuflüstert und um Korrektur bittet. Wir probieren kleine Bewegungen aus und horchen nach. Welche Antwort erhalten wir? Welche Bewegungen sind angenehm? Welche Bewegungen mit dem einen Körperteil entlasten einen anderen? Wann brechen wir ab, weil uns eine Position unangenehm ist? Und immer wieder die Frage: Wo spüre ich den Boden, wo meine persönliche Grenze?
Als ich nach Hause komme, versuche ich, Erdbeereis in Worte zu fassen. Mein Partner sieht mich kopfschüttelnd an. „Und das gefällt dir?“, fragt er und greift sich im selben Moment ans Kreuz, das ihn seit Wochen quält. „Würde dir vielleicht auch nicht so schlecht tun.“, sage ich.

Den eigenen Radius erweitern
Die Stunde auf der Matte ist Zeit für mich. Im Kursraum Eins geht es Dienstagabend einzig und allein darum, das Flüstern des eigenen Körpers aus dem Alltagsrauschen herauszufiltern. Sich nicht vom Chef, den Aufträgen, der Verantwortung für die Kinder, der Krankheit der Eltern oder der Facebook-Wolke fressen zu lassen, sondern einzig und allein darum, die eigene linke Zehe zu spüren. Und dann an die rechte. Und zu fragen: Wie berühren sie den Boden?
Diesmal wird das Heben des Kopfes  in der Rückenlage angeleitet.
„Vielleicht ist es leichter, wenn ihr die Knie enger zum Körper bringt.“, schlägt Barbara Knappinger vor. „Versucht nun, die unteren Wirbel in den Boden zu pressen. Was verändert sich? Was spürt ihr? ... Macht nun eine Pause, legt den Kopf wieder auf die Matte. ... Und wenn ihr nun die verschränkten Hände unter den Kopf bringt? Versucht einmal, das Gewicht eures Kopfes nur mit den Händen zu heben. Und nun versucht, die Ellenbogen zur Decke zeigen zu lassen. Wird es dadurch einfacher?“
Und plötzlich ertappe ich mich dabei, eine altbekannte, mir verhasste Bauchmuskelübung mit Leichtigkeit zu bewältigen. Ganz ohne Krampf im Bauch und Nackenschmerzen. Und das, obwohl es niemand von mir verlangt hat – schließlich sollte ich nur den Kopf heben und es mir dabei so angenehm wie möglich machen. In den Bauchmuskeln spüre ich ein leichtes Ziehen,  die Schultermuskeln werden angenehm gewärmt, mein Kopf ruht völlig entspannt in meinen Händen. Ich schlecke gerade am Erdbeereis.

Gönnen Sie sich doch selbst mal eine Kugel!
„Wie ist es euch ergangen?“, fragt Barbara Knappinger eine Woche später in die Runde.
„Ich trau´s mich fast nicht sagen, aber ich hab´ Spatzen g´habt!“, gibt eine Kursteilnehmerin zu. „Dabei war die Übung doch gar nicht anstrengend!“
„Und sonst? Wie geht es euch im Alltag?“
„Manchmal fällt mir auf, dass ich eine zu starre Haltung habe. Dann versuche ich, den Kopf in eine andere Richtung zu drehen oder einfach nur den Blick zu heben.“, teilt eine andere Kursteilnehmerin mit.
Wieder liegen wir am Boden. Diesmal wie die Wickelkinder. Auch diese Übung kenne ich. Eine meiner Lieblingspositionen, abends im Bett. Nie jedoch bin ich auf die Idee gekommen, meine Knie weiter auseinander fallen zu lassen.
Manchmal es sind nur paar Millimeter, die den großen Unterschied machen. Alle Anleitungen sind Vorschläge, die man probieren kann aber nicht muss. Feldenkrais® heißt, mit dem Körper zu kommunizieren. Auf ihn zu hören. Feldenkrais® sagt nicht: „Streng dich gefälligst an!“ sondern: „Streng dich so wenig wie möglich an und bleib trotzdem in Bewegung.“
Ich muss zugeben, das gefällt mir. Ich gehöre zu denen, die mobil bleiben wollen ohne sich zu quälen.

Aber wie gesagt: Erdbeereis kann man nicht beschreiben. Gönnen Sie sich lieber selbst eine Kugel! Aber Vorsicht, Ihr Körper könnte bald mehr davon verlangen.

 

Weitere Informationen zur Feldenkrais®-Methode hier.

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