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Im Weihnachtsinterview ...

Mag.a Beate Gfrerer, Geschäftsführerin der Kärntner Volkshochschulen

Im Weihnachtsinterview ...

Wir führen heute ein Gespräch mit Frau Magistra Beate Gfrerer, Geschäftsführerin der Kärntner Volkshochschulen. Frau Magistra Gfrerer, vielen Dank, dass Sie sich die Zeit nehmen.

Das Jahr 2020 war für die Kärntner Volkshochschulen sicher sehr herausfordernd - wie sieht Ihr persönliches Resümee aus?
Das heurige Jahr war für das gesamte VHS-Team, unsere nebenberuflichen Kursleiter*innen, unsere Partner*innen und Teilnehmer*innen enorm herausfordernd und hat uns sehr nachhaltig geprägt. Ja, es war ein sehr schwieriges Jahr und schier unmöglich, vorausschauend zu planen. Der erste Lockdown im März hat uns – wie alle anderen – kalt erwischt. Doch wir haben uns auf die ständig wechselnden Rahmenbedingungen eingestellt, unser Programm laufend adaptiert und auch komplett neue Angebote auf die Beine gestellt. Im Sommer haben wir viel Zeit in ein ausgeklügeltes Hygienekonzept für Präsenzangebote investiert. Wir sind sehr optimistisch in den Herbst gegangen, jedoch wurden unsere gewissenhaften Vorbereitungen durchkreuzt und durch verschärfte Maßnahmen hinfällig. Wiederum mussten wir auf Online-Angebote setzen. 
Meine Mitarbeiter*innen haben mit einer enormen Leistungsbereitschaft flexibel und bedarfsorientiert auf alle sich ständig verändernden Anforderungen reagiert. 2020 hat mir erneut bewiesen: Ich arbeite mit einem motivierten und qualifizierten Team, die hauptberuflich und ehrenamtlich, fachlich und sozial kompetent jede Herausforderung beeindruckend meistern. Wir haben den coronabedingten, ungewollt schnellen Fortschritt der Digitalisierung hervorragend bewältigt, unsere Kursleiter*innen geschult und unsere Teilnehmer*innen in kostenlosen Kursen digital fit gemacht. Für alle sind das unersetzliche Fertigkeiten für das tägliche Leben der Zukunft, die sie bereits jetzt erworben haben. Damit kann ich dem durchwachsenen 20er Jahr etwas Positives abgewinnen: Wir haben uns weiterentwickelt, im Online-Bereich essenzielles Wissen aufgebaut und können uns gestärkt dem neuen Jahr stellen.

Wie können Sie 2020 in Zahlen festmachen?
Wir haben in der VHS Kärnten zwei große Bereiche: Die VHS Klassik mit rund 3.500 Kursangeboten, regional vor Ort an mehr als 60 Kursorten in Kärnten. Zusätzlich haben wir ein umfangreiches Online-Kursprogramm entwickelt, an dem wir stetig weiterarbeiten: Momentan schreiben wir wöchentlich 15 neue Online-Angebote aus.
Der zweite große Bereich sind unsere Projektmaßnahmen. Das sind Angebote, die wir für und mit Kooperationspartner*innen konzipieren, planen und durchführen. Dabei profitieren unsere Partner*innen von unserer profunden Expertise und unseren langjährigen, umfassenden Erfahrungen in der Erwachsenenbildung. Insgesamt erreichen wir jährlich 24.000 Teilnehmer*innen. Corona hat natürlich Spuren hinterlassen, dennoch konnten wir heuer 16.000 Kärntner*innen im lebensbegleitenden Lernen unterstützen.

Woher kommt der VHS-Erfolg als führende Erwachsenenbildungseinrichtung in Kärnten?
Ich denke, der Erfolg lässt sich mit unserem Selbstverständnis, unserer langjährigen Tradition erklären: Wir gehen mit einer hohen Feinfühligkeit auf die Bedürfnisse unserer Teilnehmer*innen ein. Unsere Gesellschaft ändert sich ständig – und somit auch die Anforderungen. Aufgrund unserer Kompetenz und Erfahrung können wir unser Angebot bedürfnisorientiert adaptieren und werden diesen Herausforderungen gerecht. Wir holen die Menschen da ab, wo sie stehen, bauen Bildungsbarrieren ab, beziehen die Lebens- und Lernerfahrungen unserer Teilnehmer*innen mit ein und begleiten sie professionell auf ihrem Lernweg.

Das erklärt die große Beliebtheit bei Ihren Teilnehmer*innen. Als Geschäftsführerin sind Sie aber auch für den wirtschaftlichen Erfolg der VHS verantwortlich…
Wirtschaftlicher Erfolg ist im Bildungswesen natürlich anders zu definieren als in der allgemeinen Privatwirtschaft. Unser Organisationsziel ist es, kostendeckend zu arbeiten. Das ist uns auch heuer, mit Hilfe unserer verlässlichen Fördergeber*innen, trotz der Ausfälle und Umwälzungen gelungen – und eben aufgrund unserer Flexibilität und erfolgreichen Akquise. Für die neuen Problemstellungen unserer Kooperationspartner*innen haben wir jeweils treffsichere Maßnahmen erarbeitet. Wir sind als hochqualitativer Bildungsdienstleister etabliert und haben diese Stellung auch in diesem schwierigen Jahr konsequent verteidigt. Ich stelle unser hochwertiges Bildungsangebot auf die Säulen von professionellem Qualitätsmanagement, Strategieentwicklung, Mitarbeiter*innenförderung und Kund*innenorientierung. Dieser Weg macht sich – gerade heuer – bezahlt, da wir auch außerhalb von Routinen rasch und professionell operieren.

Welche Neuigkeiten gibt es im breiten VHS-Portfolio?
Gerade in der Pandemie hat sich gezeigt, dass bestimmte Bevölkerungsgruppen schwer greifbar sind, gewisse Themen in den Hintergrund rücken. Diese Themen greifen wir auf, diese Zielgruppen sprechen wir niederschwellig an - das sind auch die Gründe, warum unsere Projektpartner*innen die VHS wählen. Im Auftrag der Stadt Villach haben wir die Pre-Summerschool umgesetzt und damit 72 Kindern wichtige Voraussetzungen für einen erfolgreichen und vor allem angstfreien Schulstart vermittelt. Für die Arbeiterkammer haben wir das kostenlose Fortbildungsprogramm für Beschäftigte im Gesundheits- und Sozialbereich auf digitale Formate umgestellt und damit nahtlos fortgesetzt. Einen Schwerpunkt setzen wir auf die psychosoziale Gesundheit. Wir sehen die Notwendigkeit und kriegen die Bestätigung auch durch die Teilnehmer*innenzahlen: Mit pro mente und dem Kärntner Bündnis gegen Depression haben wir Online-Vorträge zu psychosozialen Themen mit bis zu 200 Personen organisiert. Ab Jänner setzen wir für das Land Kärnten „Homeschooling“, eine kostenlose Online-Nachhilfe, um. Einen weiteren Schwerpunkt legen wir auf gesundes Schlafen, da dies zunehmend zu einer Belastung, auch für Schichtarbeiter*innen, wird.
Egal ob online oder im Präsenzbereich – wir sind mit bewährten und aktuellen Themenstellungen breit aufgestellt.

Werden Online-Angebote Kurse vor Ort ablösen?
Nein, das werden und können sie nicht. Menschen brauchen eine angenehme Lernatmosphäre, einen sozialen Wohlfühlort, an dem sie Wissen und Fertigkeiten erwerben können. Mit unserem aufsuchenden Ansatz machen wir Lust auf Bildung und stärken die Persönlichkeit und das Selbstwertgefühl unserer Teilnehmer*innen. Das VHS-Angebot ist qualitativ hochwertig und dennoch barrierefrei – jede*r kann zu uns kommen, ist bei uns willkommen. Wir sind ein beständiger Ort der Begegnung, der Kommunikation und der Integration. Menschen, die sich Grundkenntnisse aneignen wollen, genießen in unserer Institution einen besonderen Stellenwert und das vermitteln wir ihnen. Der persönliche Kontakt ist für unsere Zielgruppe unersetzlich. Fällt das aufsuchende Element weg, fällt diese Zielgruppe weg.
Aber, wir erschließen mit unseren Online-Angeboten neue Zielgruppen. Wir erreichen neue Teile der Kärntner Bevölkerung, die keine Berührungsängste haben und uns nun verstärkt als umfassenden Bildungsnahversorger wahrnehmen. Durch die Ortsungebundenheit werden viele auf unser Angebot bei Sprachen, Sport, Kultur und Persönlichkeitsentwicklung aufmerksam und neue VHS-Kund*innen.
Online kann vor Ort aber nur ergänzen, wird es aber nie ersetzen.

Die Weihnachtsfeiertage stehen bevor - Wenn Sie einen Wunsch ans Christkind hätten… wäre das…
Ich habe keinen Wunsch an das Christkind, sondern die Verantwortungsträger*innen im Land: Schaffen wir gleiche Chancen auf Bildung und damit im Leben für alle Menschen.
In Krisenzeiten mehr denn je, sieht man das Ungleichgewicht in der Gesellschaft. Die Pandemie hat die finanzielle Schieflage in den Familien verstärkt, der Druck ist enorm gewachsen. Die Politik ist gefordert, faire Rahmenbedingungen zu schaffen – wir, die VHS, sind mit unseren 700 Trainer*innen der Werkzeugkasten, um mit Bildungs- und Unterstützungsangeboten mehr Chancengerechtigkeit zu ermöglichen. Wir sind bereit, unseren Teil zur Chancengleichheit in Kärnten beizutragen.

Ein schöner Wunsch, den Sie äußern, Frau Magistra Gfrerer. Vielen Dank für das Gespräch. Ich wünsche Ihnen und Ihrem Team frohe Weihnachten und einen guten Start ins neue Jahr – das Schlusswort gebührt Ihnen:
Vielen Dank für das Gespräch und DANKE Ihnen, liebe Leserin, lieber Leser.
Ich möchte von Herzen danke sagen. Jeder und jedem Einzelnen, die und der zu diesem erfolgreichen VHS-Jahr beigetragen hat.
Ein besonders großes Danke gilt meinen Mitarbeiter*innen, die das unersetzliche Rückgrat der erfolgreichen Kärntner Volkshochschulen sind. Wir haben ein Jahrhundert-Ereignis nicht nur sehr gut gemeistert, viel mehr noch, haben wir dieses Jahr gemeinsam positiv gestaltet.
Liebe Wegbegleiter*innen der VHS, ich wünsche Ihnen und Ihren Familien ein schönes Weihnachtsfest, erholsame Feiertage und einen guten Rutsch ins neue Jahr und vor allem: Bleiben Sie gesund! Ich freue mich auf eine gute Zusammenarbeit 2021.

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