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Korbflechten: Altes Handwerk neu entdeckt

Ob Katzenkörbchen, Krims-Krams-Box oder Stiftehalter: Arbeiten aus Rattan sehen nicht nur gut aus, sondern sind vor allem umweltschonend und praktisch.

Korbflechten: Altes Handwerk neu entdeckt

Helmuth Krenn in seinem Element

Korbflechten

Gestalten Sie in diesem Workshop Ihren individuellen Korb.

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Text und Bilder Margarita Kinstner

Um mich ein wenig über Material und Herstellungsweise zu informieren, habe ich Helmuth und Eva Krenn von Deco Art in ihrer Werkstätte in der Pischelsdorferstraße besucht. Als ich die beiden nach 40 Minuten wieder verließ, war ich nicht nur klüger, sondern vor allem beeindruckt, was man mit der leicht erlernbaren Technik des Korbflechtens alles herstellen kann. Ob maßgeschneiderte Aufbewahrungsbox fürs Wohnzimmerregal, ob Bestecklade oder Honigkisterl – Korbware kann viel mehr als ihr verstaubter Ruf. Vor allem in unserer plastikdominierten Welt ist der Rattankorb nicht nur eine günstige und umweltschonende, sondern auch eine sehr hübsche Alternative.

Praktisch, umweltschonend und hübsch
Ein bisschen Vintage-Design darf heute sein. Altvaterisch sind die Körbe aus dem Peddigrohr, das aus dem Stamm von indonesischen Rattanpalmen gewonnen und in China zu Streifen verarbeitet wird, jedoch keineswegs. Die kleinen Kistchen für die Honiggläser sind vor allem bei ImkerInnen beliebt, die Utensilienbox wiederum ist ein schöner Blickfang für das Heimbüro – ganz anders als die Plastikschachteln aus dem Möbelhaus. Den Boden jedes Stücks kann man zusätzlich mit hübschem Wachspapier auskleiden oder aber, man wendet die Servietten-Technik an.

„Wir bekommen stets sehr positive Rückmeldungen“, berichtet Helmuth Krenn. „Eine Dame, die bei uns ein Körbchen für ihre Vorratskammer geflochten hat, war ganz begeistert, weil sich der Zwiebel darin so viel länger hält. Rattan ist ja viel atmungsaktiver als Plastik.“

Robust und trotzdem federleicht
Spätestens seit wir vom gewaltigen Plastikteppich wissen, der sich auf den Meeren ausbreitet, versuchen wir, zusätzlichen Plastikmüll zu vermeiden. Dass Rattan eine stabile und nachhaltige Alternative zum Plastiksack ist, liegt auf der Hand. Darüberhinaus bleiben die Einkäufe am Nachhauseweg länger frisch und auch die Joghurtbecher platzen nicht so leicht wie in einem Sack.

„Heben Sie den einmal!“, fordert Helmuth Krenn auf.

Tatsächlich! Der Rattankorb ist um einiges leichter als mein Weidenkorb – (fast) so leicht wie eine Handvoll Federn. Und das ist gut so, sind die Karotten und Erdäpfel, die Milch und der Hollersaft sind schließlich schwer genug.

„Am besten ist es, man hat so einen Korb jederzeit im Auto stehen, „rät Helmuth Krenn. „Dann muss man ihn nur am Henkel schnappen.“ Für kleinere Einkäufe spart man sich darüberhinaus die Münze für den Einkaufswagen. Außerdem kann man die Körbe aus Ratan problemlos waschen, und auch die Reparatur ist schnell und kostengünstig. „Wenn der Henkel eines Weidenkorbs kaputt wird, zahlt sich eine Reparatur finanziell meist gar nicht aus“, verrät Helmuth Krenn. „Beim Rattankorb ist das anders, da tauscht man die einzelnen Teile viel schneller aus.“

Individuell und maßgeschneidert
Wenn Helmuth und Eva Krenn sich auf einen ihrer Kurse vorbereiten, stehen die Wünsche der KursteilnehmerInnen ganz oben auf ihrer Liste. „Manche brauchen eine maßgeschneiderte Box, die ins Wohnzimmerregal passen soll, andere suchen nach Verkaufskistchen für ihre Honiggläser, wieder andere benötigen ein Körberl für die Zwiebeln“, erzählt Helmuth Krenn. „Zu Beginn haben wir noch geglaubt, dass wir aus den vergangenen Kursen vielleicht einen Trend herauslesen können, um mit dem Bau der Rohlinge früher beginnen zu können. Heute wissen wir: Jeder Teilnehmer hat eigene Wünsche. Kein Kurs ist wie der andere.“

Gute Vorbereitung steigert die Zufriedenheit
Damit die passenden Rohlinge aus Pappelsperrholz rechtzeitig zu Kursbeginn bereit stehen, wird jede/r KursteilnehmerIn gebeten, sich vorab für ein Modell zu entscheiden. Sprich: Wer sich für einen Korbflechtkurs interessiert, bekommt vor Ort (oder per Mail) eine Broschüre, aus der das gewünschte Modell gewählt wird. Auch spezielle Größen können angefordert werden. „Wir können eigentlich auf jeden Wunsch eingehen“, verrät der Korbflechter und VHS-Trainer. „Die VHS sammelt die Wünsche der Teilnehmenden und leitet sie an uns weiter, sodass wir rechtzeitig mit der Herstellung der Rohlinge beginnen können.“

Und was, wenn man zu den Kurzentschlossenen gehört, die sich im letzten Moment für eine Zusage entscheiden? „Das ist kein Problem“, beruhigt Eva Krenn. „Wir haben immer ein paar Rohlinge mit, aus denen man wählen kann. Auch die Farben können direkt vor Ort ausgesucht werden. Aber bis jetzt haben eigentlich immer alle gewusst, was sie in Angriff nehmen wollen.“

Übrigens gibt es sogar eine Garantie, dass das Flechtstück bis Kursende fertig wird.
„Manche sind sogar schon früher fertig“, verrät Eva Krenn. „Dann wird oft noch ein zweites, kleineres Körbchen geflochten.“

Wer neugierig geworden ist, dem sei die Homepage von Helmuth und Eva Krenn empfohlen: www.flechtstudio.at

Helmuth Krenn ist gelernter Holztechniker, in seinem Beruf stellte er unter anderem Kinderspielzeug her. Später begann er, sich mit Glas zu beschäftigen und gab zahlreiche Workshops und Kurse zum Thema Tiffany-Kunst und Glasschmelzen. Zur Tätigkeit des Korbflechtens fand er über eine Reha-Klinik, die er als Patient besuchte. Schnell wurde aus dem Hobby eine Leidenschaft. Heute sind Helmuth Krenn und seine Tochter in ganz Österreich unterwegs, um ihre Korbflechtkurse unter anderem in Reha-Kliniken, Kinder- und Jugendbetreuungseinrichtungen und an diversen Volkshochschulen anzubieten.

Eva Krenn ist gelernte Glasmacherin. Gemeinsam mit ihrem Vater gibt sie Kurse in Tiffany, Fusing und Korbflechten. „Unser Angebot wird gut wahrgenommen“, verrät sie. „Manchmal müssen wir mit unseren Terminen haushalten, damit sich das alles ausgeht.“
Auf die Frage, ob man einen Trend hin zum Selbermachen spüre, schüttelt Eva Krenn den Kopf. „Leider haben heute viele Menschen Angst vor dem Handwerken. Vor allem bei den Männern merkt man das. Man traut sich nichts mehr zu, hat Angst zu versagen. Für viele ist das ein richtiges Erfolgserlebnis, wenn das fertige Stück vor ihnen steht.“

Korbflechten

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