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TeilnehmerInnen und AbsolventInnen des Pflichtschulabschlusses bei der VHS

Järhlich nehmen zahlreiche TeilnehmerInnen das Angebot den Pflichtschulabschluss nachzuholen wahr. Einige stellen sich hier nun vor.

Zmar (geb. 1997)
Zmar ist 19 Jahre alt und besucht die HTL für Hochbautechnik in Villach. Danach möchte er gerne studieren, vielleicht Ingenieurswissenschaften oder Mathematik. In Mathematik ist er besonders gut – bei der letzten Schularbeit war er der einzige mit einem „Sehr gut“. Gut möglich, dass er sein Talent von seinem verstorbenen Vater, welcher in Kabul als Universitätsprofessor Vorstand des Instituts für Mathematik und Physik war, geerbt hat. Seine Mutter war Schuldirektorin der größten Mädchenschule in Afghanistan und für 3400 Schülerinnen sowie 90 Lehrerinnen verantwortlich. Diese Tätigkeit war der Grund für die Flucht: Den Extremisten behagte weder der Umstand, dass Mädchen schulisch gebildet werden, noch die Dienstreisen der Mutter nach Japan und Deutschland auf der Suche nach Kooperationen für die Schule. Dazu kamen noch ihre Arbeit für die UNICEF, das absolvierte Auslandsstipendium von Zmars Schwester, die Arbeit bei ISAF von Zmars Bruder. Im November 2014 erreichte Zmar nach 2-monatiger Flucht mit Mutter, Schwester, Bruder und Nichte Österreich. In Rekordzeit holte er den Pflichtschulabschluss bei den Kärntner Volkshochschulen nach und lernte so viel Deutsch, dass er nunmehr die HTL besuchen kann. An Österreich schätzt er unter anderem die Möglichkeit der kostenlosen Schulbildung.

Marco (geb. 1993)
Der sehr reif wirkende und höfliche junge Mann schulte im Jahr 2009 mit einem Zeugnis der mittlerweile aufgelösten Landes-Sondererziehungsschule Görtschach aus. Dieser Umstand war nicht unbedingt förderlich bei seiner anschließenden Suche nach einer Lehrstelle: Immer wieder runzelten die Chefs in spe die Stirn und fragten, was vorgefallen war, wieso er von der Hauptschule Feistritz/Drau nach Görtschach wechseln musste, wieso er am System der Regelschule gescheitert ist. Er fand keine Stelle und durchlief verschiedene Schulungs- und Beschäftigungsmodelle des AMS. Schließlich wurde Marco klar, dass er für bessere Chancen am Arbeitsmarkt einen Pflichtschulabschluss und Führerschein benötigt. Aktiv wandte er sich deshalb an seinen AMS-Betreuer und suchte um einen Platz im einjährigen Volkshochschul-Lehrgang zum Nachholen des Pflichtschulabschlusses an.
Im Jänner 2015 startete sein täglicher Unterricht in Villach und er war überrascht: „Es ist viel lässiger, weil die Lehrer sich enorm viel Zeit nehmen und etwas auch mehrmals erklären.“ Außerdem war der 22-Jährige erstaunt, wieviel er sich noch aus seiner vorherigen Schullaufbahn gemerkt hatte. Im Fach „Natur und Technik“ erzielte er eine besonders gute Note. Sein Interesse für diesen Bereich ist hoch, kein Wunder, ist sein liebstes Hobby doch der Modellbau. Ein Job in diesem Feld wäre sein Traum, aber er ist auch stark an Handwerk interessiert. Marco ist jetzt – zu Recht – stolz auf sich, denn er hat mittlerweile alle Prüfungen geschafft und hält seit Jänner 2016 ein Pflichtschulabschlusszeugnis. Gerade macht er seinen Führerschein und hofft, in einem Malerbetrieb in Maria Gail eine Lehre beginnen zu können. Marco resümiert: „Der Pflichtschulabschluss ist nicht nur für die Arbeit. Ich weiß jetzt für mich, dass ich etwas erreicht habe.“

Rosina (geb. 1950)
Rosina, eine Pensionistin aus Preitenegg im Lavanttal, nahm das Motto des Volkshochschul-Pflichtschulabschlusses ernst: Es ist nie zu spät. Zeitlebens bedauerte sie es, nur mit einem Entlassungszeugnis ausgeschult worden zu sein, weil zu Hause ihre Hilfe gebraucht wurde. Mit 62 Jahren drückte sie deshalb zur Verwunderung der Ortsgemeinschaft schließlich wieder die Schulbank. Lustigerweise eine Schulbank just im gleichen Klassenzimmer wie als Kind. Das Gebäude der Neuen Mittelschule St. Stefan, wo der Unterricht zum VHS-Pflichtschulabschluss stattfindet, war nämlich Ende der Fünziger Rosinas Volksschule! Und die Überraschung war am ersten Tag noch größer, als sich ihr ehemaliger Mitschüler, Josef Kurteu, als ihr Lehrer vorstellte!
Freilich kann Rosina ihren Pflichtschulabschluss nicht mehr beruflich verwerten, aber er bedeutet ihr persönlich sehr viel. Zusätzlich genoss sie in den Vorbereitungskursen die Anregung für ihren Geist und die internationale Klassengemeinschaft. Sie verbrachte außerdem manch schöne Stunde zu Hause mit ihrem Sohn Mario, wenn er ihr beim Englischbüffeln half. Englisch, der Gegenstand, woran sie vor über 50 Jahren gescheitert ist, hat es ihr angetan. So sehr, dass sie sich nach ihrem erfolgreichem Abschluss der Pflichtschule gleich nochmals zu einem VHS-Englischkurs angemeldet hat: „Heutzutage ist ja so viel in Englisch, zum Beispiel beim Einkaufen und in den Betriebsanleitungen.“ Auch vom VHS-Biologieunterricht schwärmt sie noch heute: „Wir haben uns auf den menschlichen Körper konzentriert. Er wurde so toll erklärt!“. Rückblickend hätte sie gerne längere Pausen gehabt, um in einem „Ratscher“ über ihre internationalen MitschülerInnen und ihre Herkunftsländer mehr zu lernen.
Rosina über den VHS-Pflichtschulabschluss: „Ich tät es jedem empfehlen. Auch wenn man denkt, das schaff ich nie, soll man es trotzdem probieren. Es ist ja noch so viel gespeichert im Kopf! Jeder soll machen, was er gerne tut. Ich bin immer mit so einer Freude zum Kurs gefahren. Wenn keine Schule war, ist mir was abgegangen. Mir hat es getaugt!“

Hassan (geb. 1989)
Hassan holte sich im November 2014 nach erfolgreicher Absolvierung des Volkshochschullehrganges an der Neuen Mittelschule Lind (Villach) sein Pflichtschulabschlusszeugnis. Nun absolviert er an der Alpen-Adria-Universität einen Lehrgang zum Inklusionsbegleiter (welcher sowohl für Studierende als auch in Kärnten lebende Flüchtlinge konzipiert ist). Der Abschluss ist für Juni 2016 geplant. Ohne seine intensive Lernerfahrung während der Vorbereitung auf den Pflichtschulabschluss könnte Hassan heute diesem Lehrgang nicht folgen. Sein Deutsch hat sich durch das Nachholen des österreichischen Pflichtschulabschlusses enorm verbessert. Er musste hart kämpfen und hat es schließlich geschafft: „Beim dritten Mal habe ich die Deutschprüfung bestanden“.
In seiner Heimat, einem kleinen Dorf in Somalia, ist er erst im Alter von elf Jahren in die Schule eingetreten, weil er seiner alleinerziehenden Mutter in ihrem Gemischtwarengeschäft helfen musste. Seine 7-jährige Schulkarriere an einer Privatschule war aufgrund des Bürgerkrieges mit Unterbrechungen versehen. Dann musste er, Angehöriger einer diskriminierten Minderheit, im Jahr 2009 aus Somalia fliehen. Zurück ließ er seine erst wenige Monate vorher geehelichte Frau. Diese lebt mittlerweile mit seiner Mutter und seinen beiden Schwestern in Äthiopien. Hassan vermisst seine Familie und engagiert sich ehrenamtlich beim Österreichischen Roten Kreuz und bei der NRO VOBIS (Verein für offene Begegnung und Integration durch Sprache). Der Aslywerber, der seit sechs Jahren darauf wartet, in Österreich anerkannt zu werden, sagt: „Es war ein so glücklicher Tag, als ich beim Pflichtschulabschluss aufgenommen wurde. Ich bin so dankbar, dass ich hier in Österreich die Schule fertig machen durfte.“

Tenzing (geb. 1982)
Sie heißt Tenzing. Gleich wie der Dalai Lama. Kein Zufall, denn sie kommt aus dem gleichen Land. Die junge Tibeterin wohnt in einer Flüchtlingsunterkunft in Klagenfurt und holt seit September 2015 ihren Pflichtschulabschluss bei den Kärntner Volkshochschulen nach. Von Montag bis Freitag ist sie bis 14.00 Uhr in der Schule. In ihrer Freizeit erledigt Tenzing dann entweder ihre Hausaufgaben und lernt oder besucht Deutschkurse. Die Konzentration auf ein Ziel lenkt sie vom Heimweh nach ihrer Familie ab. Aufgrund politischer Verfolgung musste sie aus dem Tibet fliehen. Zurück blieben ihre drei Kinder und ihr Mann. Ihre jüngste Tochter war damals erst ein Jahr alt. Telefonieren mit ihrer Familie kann sie nicht, weil die chinesische Regierung, wie sie meint, die Telefonverbindungen im Tibet unter Kontrolle hält. Man merkt keine Spur von Verbitterung, als sie mutig ihre Lebensgeschichte in fließendem Englisch erzählt. Immer ist sie hilfsbereit und schenkt den anderen ihr sanftes Lächeln. Zu den Unterrichtsgegenständen: „Deutsch ist sehr schwierig für mich. Englisch und Mathematik sind kein Problem. Ich war 10 Jahre in der Schule.“

Zu ihrer Zukunft in Österreich: „Im Juli 2016 sind die letzten Prüfungen. Dann habe ich den Pflichtschulabschluss und möchte einen Kurs als Pflegehelferin machen. Meine Familie kann ich erst nachholen, wenn alles in meinem Leben hier etabliert ist.“
Zu „Sieben Jahre in Tibet“: „Ich habe den Film gesehen. Die Darstellung vom Tibet ist realistisch. Nun lebe ich hier in Kärnten, wo Heinrich Harrer zu Hause war.“

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Untertext: Land, Bmukk
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